Malerweg Etappe 1 & 2: Wir rollen das Feld von Hinten auf!

Leipzig, 21.08.2011

Sonntags halb sechs Uhr morgens in Deutschland. Mein Wecker klingelt und das in meinem Urlaub.

Nichts mit Ausschlafen – nein – hoch die müden Glieder! Wir haben viel vor. Schon seit Wochen freue ich mich auf die bevorstehende Tour in der Sächsischen Schweiz. Leider habe ich nur eine Woche Urlaub raushandeln können, aber besser die als nichts. Der Urlaub war dringend benötigt. Nachdem der Start bei der Haldensaga auch so gut lief, wollte ich es nun auch mal nah bei der Heimat versuchen. Der Malerweg als mein ultimatives Wanderdebüt.

Natürlich habe ich mir hierzu auch die gängigste Literatur besorgt und die Wirtschaft kräftig angekurbelt. Ich muss gestehen, dass ich im Vorfeld nicht wirklich dazu gekommen bin mir die Routen im Detail durchzulesen. Ein kleiner Fehler, der mich später umdenken ließ.

Es ging also in der Früh los und mit einer Stunde Verspätung kamen wir um 9 Uhr im Hotel in Hohenstein an. Das Auto haben wir erstmal davor geparkt, da wir erst um 14 Uhr einchecken durften. Natürlich sollte der Tag aber nicht verloren sein und so ging es gleich mit den bereits gepackten Rucksäcken los. Der Bus sollte leicht zu finden sein. War er auch halbwegs, aber leider haben wir ihn um 5 Minuten verpasst. Damit war der Plan nach Pirna zu fahren und dort die Tour zu beginnen erstmal dahin. Von wegen gute Anbindung und so.. der nächste Bus würde erst in 3 Stunden fahren! Bis dahin wären wir schon über alle Berge. Es wurde also kurzerhand umdisponiert und wir beschlossen die Etappe einfach von Hinten nach Vorne zu beginnen. Da sind wir ja flexibel!

Da standen wir nun also am Rande der Burg Hohenstein und wunderten uns wo denn nun der Weg sein mochte… Das tolle Navi sagte uns ganz genau PUNKTLANDUNG! Aber da waren nichts außer Sicherheitsgeländer und eine steile Felswand vor uns. Super, der Weg war genau unter uns. Also erstmal schön den Weg runter finden, damit es dann endlich losgehen konnte. Wir waren aber dann schließlich doch schnell auf der Spur und unserem Startpunkt.

Ich blickte ungläubig unseren Weg hinauf. Kein Wunder, dass alle anderen Wandersleute den geraden Weg an uns vorbei nahmen. Die hatten gestern bestimmt den Bus nicht verpasst! Ich stellte mir auch prompt vor wie toll der Weg doch richtig rum gegangen sein müsste. Die ganzen schönen Stufen anstatt hoch – hinab! Aber gut, wo man hoch muss, kommt man sicherlich auch irgendwann wieder runter. Leider täuschte der erste Eindruck von den Treppen, denn hinter der Biegung ging es weiter! Schreck! Schluck! Hilfe! Ich keuchte bereits jetzt wie ein hyperventilierendes Eichhörnchen kurz vor dem Herzkasper.

Rechts, Links, Rechts, Links, Rechts… immer noch nicht oben. Langsam wurde mir bewusst, dass das hier kein Haldenspaziergang werden würde. Klasse Idee übrigens, wenn das Knie vom Joggen angeschlagen ist, dann in der sächsischen Schweiz wandern zu gehen. Kann ich nur jedem empfehlen… Jeden der danach eh einen Arzttermin fest gebucht hat. Aber ok. Ich nahm es sportlich und stellte mir bereits jetzt meinen Knackarsch vor. Denn das hier war besser als jeder Bauch-Beine-Po-Workout. Zumindest entschädigte der geniale Blick einen immer wieder für die nächsten Stufen. Die Abenteuerlust hatte mich gepackt und trieb mich vorwärts. Treppen, Leitern, Wurzeln, Steine, alles stellte sich einen in den Weg und das war erst noch der seichte Anfang! Himmeljeh.

Gerade als wir uns etwas am Amselwasserfall erholt hatten bei einem leckeren Eibauer Bierchen, kamen wir auf die nächste tolle Idee. Anstatt dem Weg nach unten zu folgen, wollten wir den Weg über die Schwedenlöcher antreten!

Ich blickte nach oben, holte Luft, seufzte kurz und lief Schulterzuckend los.

Die Schwedenlöcher sind keine neue Schweizer Käsesorte, nein sie haben einen ganz anderen historischen Hintergrund und waren mir deswegen den Umweg der eigentlich eine „Abkürzung“ sein sollte, wert. Die Schwedenlöcher stellen eine Art Klamm dar, welche durch Erosion des Sandsteins entstanden sind. Ihren Namen tragen sie an Erinnerung an den Dreißigjährigen Krieg, als die Bauern in der Umgebung ihre Habseligkeiten dort vor den Schweden in Sicherheit gebracht hatten. Über 700 Stufen musste man jetzt gehen, um dieses kellerartige Naturgebilde zu sehen. Dadurch dass wir den Weg über die Schwedenlöcher genommen haben, haben wir den Ort Rathen umgangen. Keine Angst liebe Wandersfreunde – zur Bastei sind wir dennoch auf direktem Wege gekommen. Rathen spielt aber später nochmal eine Rolle.

Was mir bereits zu Beginn unserer Tour aufgefallen war, waren die vielen Wespen. Das kannte ich aus der Region um Leipzig und Mannheim nicht und hielt es daher für eine kleine Invasion. Besonders lästig wenn man etwas essen oder trinken wollte. Die Nachrichten nach dem Urlaub zeigten dann, dass das wohl in diesem Jahr allgemein so viele sind, da der Winter die so gefroren hat, dass sie nicht schimmeln konnten (also sterben) und so nun sehr viele überlebt haben.

Wenn man die Schwedenlöcher geschafft hat, dann macht ruhig den kleinen Abstecher zu der Aussicht, denn die lohnt sich. Wie eigentlich alle Aussichten in der Sächsischen Schweiz. Ein fantastischer Blick der sich einem zeigt. Der Weg führt einen auch direkt weiter in Richtung Bastei. Hier merkt man sehr deutlich, dass die Touristen Bus-weise rangekarrt wurden, denn der Ort war sehr überlaufen. Haben wir stellenweise unterwegs keinen einzigen Menschen gesehen, war hier fast schon Karnevalsstimmung. Leider auch mit den Eigenheiten unterschiedlichster Urlaubskulturen. Ich wage an dieser Stelle die kühne Behauptung, dass nur die wenigsten sich dem Ort und der Umgebung wirklich bewusst waren und ihn in seiner vollen Pracht genießen konnten. Alle anderen waren genervt, gehetzt oder spielten wer mehr Auslöser in der Minute schafft und schossen alles bildlich ab, was ihnen in den Weg kam. Anstrengend nach der Ruhe im Wald. Den Eintritt für den gesonderten Bereich habe ich mir aufgrund der überlaufenen Fläche dann auch geschenkt. Der Gratis-Ausblick auf die Elbe war schön genug und musste entsprechend lange gewürdigt werden.

Von dem Tumult hatten wir schnell genug und verzogen uns auf unserem Weg wieder weiter in den Wald hinein. Die Wespen als ständige Begleiter blieben treu an unserer Seite. Hier wurde es auch wieder witzig, denn kam mir doch spontan das Lied von Xavier Naidoo in den Sinn (den mag ich eigentlich nicht…) „Und dieser Weg wird kein leichter sein… dieser Weg ist steinig und schwer“. Das war durchaus passend, denn der Weg hinab nach Wehlen war abenteuerlich witzig.

WEHLEN, die Elbe, Wasser, Sonne und ein leichter Wind. Hach wie tat das gut. Wir haben uns auch erstmal gleich in ein kleines Cafe an die Elbe gesetzt und eine leckere Eisschokolade gegönnt. Danach machten wir uns auf die Suche nach dem Busbahnhof. Und auch hier standen wir vor dem Problem, dass kein Bus fuhr. Von wegen gute Anbindung! Wir hätten den Touribus wieder zurück zur Bastei nehmen können, aber ob wir dann von dort wieder losgekommen wären, weiß ich nicht. Bezweifle ich auch. Nach einigem Hin- und Herwinden, haben wir  uns entschlossen die Tour bis Lohmen wirklich noch zu Ende zu bringen. Hier kamen wir eh nicht weg und da konnte man ja genauso gut weiterlaufen.

Der Weg von Wehlen nach Lohmen führte uns dann auch durch den Uttewalder Grund, einem herrlichen Ort. Herrlich aber schwül-warm. Der Schweiß lief uns in Strömen.  Durch das Felsentor hindurch, vorbei an der Waldidylle (einem Gasthaus in dem wir aber keine Rast gemacht hatten). Der Weg wurde hier merklich leichter. Ich ertappte mich wieder bei dem Gedanken wie einfacher wohl die Tour „richtig“ herum gewesen wäre.

In LOHMEN war dann aber definitiv Schluss für uns. Nicht, dass wir das Stückchen bis nach Pirna nicht noch gegangen wären, aber in Lohmen erreichten wir gerade noch so gegen 18 Uhr den letzten Bus und wir wollten nicht riskieren in Pirna gestrandet zu sein.  Im Nachhinein ärgere ich mich ein kleinwenig, weil nicht mehr weit das Richard-Wagner-Denkmal noch auf uns gewartet hätte. Aber ok. Ich denke in die Sächsische Schweiz fährt man nicht nur einmal.

Fortsetzung über unsere nächste Etappe folgt…

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